„Roma“ von Alfonso Cuarón gibt den Unsichtbaren eine Bühne

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Heute Abend gewann Alfonso Cuarón mit seinem Film „Roma“ 3 Oscars. Beste Regie, beste Kamera und bester fremdsprachiger Film. Cuarón widmet die Oscars seinem Heimatland Mexiko.

Doch eben dort wurde der Film höchst polemisch aufgenommen, spricht er doch mehrere heiße Eisen an: die Rechtlosigkeit der Haushaltshilfen, der unsichtbaren ArbeiterInnen, die meist aus der ärmsten Schicht der Gesellschaft kommen, der Rassismus gegenüber den mexikanischen Indigenen und die noch immer herrschende Klassengesellschaft, der weiterhin herrschende Machismos und auf politischer Ebene die gewaltsame Niederschlagung der Studentenbewegungen Anfang der 70er Jahre.

„Roma“ ist für mich der Auftakt eines neuen mexikanischen Filmgenres – ein still beobachtender Autorenfilm. Unmittelbar musste ich an die Anfänge der Nouvelle Vague in Frankreich denken. Und tatsächlich erwähnt Cuarón diese heute als eine seiner maßgebenden Einflüsse.

Inhaltlich hält der Film dem eigenen Land gnadenlos den Spiegel vor. Doch auf filmästhetischer Ebene ist er verspielt und unorthodox. Der Auftakt ist bereits eine meisterhafte Komposition. Wasser wird den Ausguss hinabgespült, immer mehr und mehr Wasser ohne Kontext. Seifenlauge schäumt. Dann sehen wir den Schrubber und schließlich die Gestalt der Cleo. Erst viel später erfahren wir, was sie da eigentlich täglich wegschrubbt…

Daneben erlaubt sich der Film lange Strecken in einer Einstellung wie z.B. Cleo, die abends alle Lichter im Haus ausschaltet und dabei an sämtlichen Zimmern vorbei geht, in denen die verschiedensten Szenen des Familienlebens stattfinden.

Freunde und Kollegen, die auch just Anfang der 70er Jahre in Mexiko aufgewachsen sind, bestätigen mir: „Genau so sah das bei uns auch aus“. Ein junger Filmemacher beanstandet, dass das Bild der „Frau als Opfer des Machismos“ einfach überholt sei und er die Geschichten heute einfach anders erzählen würde. Eine ältere Kollegin wiederum schüttelt den Kopf: „Das ist heute noch genauso Thema. Man muss nur aus der Hauptstadt hinaus fahren, dann sieht es schon wieder ganz anders aus“.

Das wiederum hängt davon ab, welcher gesellschaftlichen Schicht man angehört und welche Bildung es innerhalb der Familie gab.

Allerdings, und das wissen die wenigsten außerhalb von Mexiko, gibt es auch hier einen ganzen Staat, in dem das Matriarchat herrscht. Und aus diesem Staat namens Oaxaca stammt die Hauptdarstellerin Yalitza Aparicio Martínez.

Sie ist eigentlich Lehrerin und ging zu dem Casting mit gemischten Gefühlen. Sie konnte fast nicht glauben, dass es wirklich der Regisseur Cuarón war, der hier nach einer indigenen Darstellerin suchte. Was, wenn es irgendwelche Betrüger oder Entführer waren, die da ahnungslose junge Frauen einluden. Doch zum Glück wurde ihr Mut belohnt und sie zierte 2018 als erste indigene Frau in Mexiko das Titelblatt der Vogue.

Was das bedeutet, sieht man an der durchschnittlichen Besetzung einer Telenovela oder einer Werbung. Die hellhäutigere, spanischstämmige Minderheit ist hier überrepräsentiert. Dunkelhäutige Mestizen erhielten bis jetzt meist nur die Rolle einer – wir ahnen es schon – Haushaltshilfe. Indigene sind generell gar nicht im Fernsehen oder auf der großen Leinwand zu sehen. All dies seien die verstaubten Überreste der Kolonialzeit, kritisieren viele Schauspieler das System.

Doch ein neuer Wind scheint durch die Straßen der Hauptstadt zu wehen. Zwar ist der Smog schlimmer denn je. Doch die cineastischen Aussichten sind rosig: Eine ganze Generation von mexikanischen Filmemachern sahnt reihenweise Oscars ab – Cuarón, Iñárritu, del Toro. Und der Nachwuchs kommt, davon durfte ich mich bereits persönlich überzeugen.

Und nicht zuletzt trafen zwei außergewöhnliche Ereignisse zusammen, die neu sind in der Geschichte Mexikos: im Dezember 2018 wurde der neu gewählte Präsident von einer Abordnung von indigenen Medizinmänner und -frauen gesegnet und geweiht. Und nur wenige Monate später wird die erste indigene Frau aus Mexiko für einen Oscar nominiert.

Eine neue Blütezeit scheint anzubrechen. Wir sind gespannt wie es weitergeht.

Annette

 

Foto © Vogue Mexiko

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